Landnahme am Flughafen Douala: 400 Hektar besetzt, Flugsicherheit in Gefahr

DMDamian Maabo· September 26, 2026

Auf dem Gelände des internationalen Flughafens Douala entstehen Wohnhäuser. Nicht daneben, sondern auf Land, das dem wichtigsten Luftfahrtdrehkreuz Kameruns gehört. Von den 1.218 Hektar des Flughafens Douala sind inzwischen rund 400 Hektar von Privatpersonen besetzt. Einige von ihnen besitzen Grundtitel, die aus dem Grundbuchtitel des Flughafens selbst herausgelöst wurden. Für diese Recherche sind wir mit den für die Flughafensicherheit zuständigen Beamten den Zaun abgelaufen, waren in der Präfektur des Departements Wouri und haben gefilmt, was Piloten im Anflug sehen: Dächer, Mauern und Menschen, die eine Start- und Landebahn überqueren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Flughafengelände: 1.218 Hektar, davon rund 400 mit privaten Wohnhäusern und Betrieben bebaut.
  • Rechtslage: Das Land gehört zum Staatsdomänenbesitz und wurde nie entwidmet (désaffecté) oder herabgestuft (déclassé). Trotzdem existieren darauf private Grundtitel.
  • Gerichtsverfahren: Die Luftfahrtbehörde, die Cameroon Civil Aviation Authority (CCAA), wird regelmäßig von Familien verklagt, die Parzellen beanspruchen.
  • Flugsicherheit (Safety): Anwohner, die die Piste überqueren, haben Besatzungen schon zum Durchstarten gezwungen.
  • Luftsicherheit (Security): Häuser nahe der Piste gelten als mögliche Abschussorte für schultergestützte Flugabwehrraketen (MANPADS).
  • Frist: Ein ICAO-Audit zur Luftsicherheit in Kamerun ist für den 26. November bis 9. Dezember 2026 angesetzt.

Ein Wohnviertel im Flughafen

Die Inspektion beginnt hinter einem Hangar. Wenige Dutzend Meter vom Vorfeld entfernt steht ein mehrstöckiges Wohnhaus mitten in dem, was das Flughafenpersonal die zone d'exploitation de l'aviation nennt: den Betriebsbereich, der der Luftfahrt vorbehalten ist. Weiter hinten stehen Backsteinhäuser, einige groß und sichtlich teuer, auf Grundstücken, die der Masterplan des Flughafens als Sicherheitsabstand und für künftige Erweiterungen freihalten sollte.

Die Sicherheitsbeamten des Flughafens beschreiben immer dasselbe Muster. Ein Stück Land bleibt eine Weile leer. Dann zieht nachts jemand ein. Wenn die Beamten zurückkommen, steht schon eine Mauer, dann ein Dach, dann schläft eine Familie mit Kindern darin. „Sogar die Straße wollen sie besetzen“, sagt ein Beamter, als wir an einem frisch gegossenen Fundament vorbeigehen. Eine Familie zu räumen ist weit schwieriger, als eine erste Reihe Ziegel zu stoppen.

Das Ergebnis nennt der Film „Anarchie in Beton“: das sichtbare Zeichen eines viel tieferen Problems der Bodenverwaltung rund um Kameruns wichtigstes Eingangstor.

Wohngebäude im Betriebsbereich des Flughafens Douala, Kamerun
Ein Wohngebäude im Betriebsbereich des Flughafens, von der Luftseite aus gesehen. Bild: Damian Maabo.

Grundtitel auf öffentlichem Land

Wie kann jemand einen Grundtitel auf einem Flughafen besitzen? Die Antwort liegt im kamerunischen Bodenrecht. Flughafenland gehört zum Staatsdomänenbesitz. Solange es nicht förmlich entwidmet oder herabgestuft wird, darf es weder verkauft noch auf einen privaten Eigentümer eingetragen werden. Beim Flughafen Douala ist beides nie geschehen. Und doch halten Privatpersonen heute, wie Clive Obi Ntui, Kommandant der Flughafensicherheit (ASUR) am internationalen Flughafen Douala, im Film erklärt, Teilparzellen (morcellements) des Flughafentitels selbst:

„Heute stehen wir vor Privatpersonen, die den Grundtitel des Flughafens aufgeteilt haben. Persönliche Titel auf dem Flughafengelände. Die Behörde steht heute mit bestimmten Familien vor Gericht.“ (Clive Obi Ntui, ASUR-Kommandant, Flughafen Douala)

Manche gehen noch weiter. Im April, so der Kommandant, gingen beim Flughafen förmliche Anträge von Privatleuten ein, die verlangten, den Sicherheitszaun des Flughafens zu versetzen, weil sie Grundstücke dahinter beanspruchen. Seine Warnung ist deutlich: Wenn nichts geschieht, wäre der Flughafen „nicht mehr betriebsfähig, weder aus Sicht der Luftsicherheit noch aus Sicht der Flugsicherheit“.

In der Präfektur des Departements Wouri zeigt Präfekt Benjamin Mboutou, wo das Problem beginnt. Der Zaun entlang der Piste ist nicht die Grenze des Flughafens: Das Flughafengelände reicht weit darüber hinaus. Er benennt auch jene, die den Papierkram möglich machen:

„Wir müssen auch die Mittäterschaft unserer traditionellen Chefs verurteilen und manchmal, würde ich sagen, einiger korrupter Beamter in der Verwaltung. Auf öffentlichem Grund hat am Ende jemand einen Grundtitel.“ (Benjamin Mboutou, Präfekt von Wouri)
Clive Obi Ntui, Kommandant der Flughafensicherheit (ASUR) am Flughafen Douala, am Sicherheitszaun
Clive Obi Ntui, Kommandant der Flughafensicherheit (ASUR) am internationalen Flughafen Douala, am Zaun nahe dem Treibstofflager. Bild: Damian Maabo.

Menschen auf der Piste

Die Besetzung ist nicht nur eine Frage des Bodenrechts. Der Zugang zur Piste ist streng auf Luftfahrzeuge beschränkt, doch Anwohner überqueren sie regelmäßig zu Fuß, ohne jede Kenntnis der Sicherheitsregeln der Zivilluftfahrt. Die Folge hat einen Fachbegriff: Durchstartmanöver (go-around, remise de gaz). Ein Flugzeug befindet sich im Endanflug, die Besatzung entdeckt einen „Fremdkörper“ auf der Piste, und der Pilot muss wieder steigen und kreisen, bis die Bahn frei ist.

Jedes Durchstarten kostet Treibstoff und Zeit. Vor allem aber zeigt es, dass die Sicherheitsreserven der Luftfahrt aufgezehrt werden. Wie der Film sagt: Safety und Security, die beiden heiligen Prinzipien der Luftfahrt, „kommen in Douala nur schwer vom Boden“.

Warum jedes Dach zählt: das MANPADS-Risiko

Die ernsteste Warnung des Films betrifft MANPADS, tragbare Flugabwehrsysteme, also schultergestützte Raketen. Flugzeuge sind bei Start und Landung am verwundbarsten, wenn sie niedrig und langsam fliegen. Der Sicherheitsplan eines Flughafens geht deshalb davon aus, dass der Boden unter den An- und Abflugwegen kontrolliert ist.

In Douala trifft diese Annahme nicht mehr zu. Rund um den Flughafen stehen Häuser, und die Flughafensicherheit kann nicht jeden identifizieren, der darin wohnt. „Jeder könnte in seinem Zimmer bleiben und auf ein Flugzeug im Anflug oder beim Start warten“, sagt der Kommandant. Deshalb gilt in der Fachsprache der Luftsicherheit inzwischen fast jedes Haus rund um den Flughafen als möglicher Raketenabschussort. Angesichts der Sicherheitsbedrohungen, denen Kamerun ausgesetzt ist, spricht er von einer „furchtbaren Bedrohung“ für die Zivilluftfahrt.

Das ICAO-Audit und die drohende schwarze Liste

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) prüft jeden Mitgliedstaat anhand ihrer Standards in zwei Programmen: dem Universal Security Audit Programme (USAP-CMA) für die Luftsicherheit und dem Universal Safety Oversight Audit Programme (USOAP) für die Flugsicherheit. Ein Audit bewertet das Land als Ganzes, nicht nur seinen besten Flughafen.

Genau darauf weist der Kommandant hin. Yaoundé-Nsimalen mag vollständig geschützt sein, doch wenn Douala nicht dasselbe Niveau erreicht, „ist es Kamerun, das auf die schwarze Liste kommt, Kamerun, das zum unsicheren Reiseziel erklärt wird“. Für ein Land, dessen Wirtschaft vom Hafen und Flughafen Douala abhängt, würde ein schlechtes Auditergebnis Airlines, Versicherer, Investoren und Reisende gleichermaßen treffen.

„Die Texte sind da. Es fehlt an der Umsetzung. Und wenn die Umsetzung fehlt, ist es der menschliche Faktor.“ (Clive Obi Ntui, ASUR-Kommandant)
Flugzeug rollt am Flughafen Douala an Schrott und Containern im Flughafenbereich vorbei
Ein Flugzeug rollt an Containern und Schrott vorbei, die innerhalb des Flughafenzauns liegen geblieben sind. Bild: Damian Maabo.

Die vergessene Piste und das Treibstofflager

Die Recherche führt auch zu dem, was viele fälschlich die „alte Piste“ nennen, im Film als 04/22 bezeichnet. Nach Angaben der Flughafenverantwortlichen wurde sie nie geschlossen: Sie wird weiterhin von der Leicht- und allgemeinen Luftfahrt genutzt. Ihr Sicherheitsstreifen ist jedoch von Häusern überbaut, und „die Normen werden dort nicht mehr eingehalten“.

Dasselbe Problem zeigt sich bei den Treibstoffanlagen. Das Hydrantensystem des Flughafens, das Kerosin bis zu den Abstellpositionen leitet, hatte in den Vorjahren Probleme. Es wurde repariert, muss aber noch zertifiziert werden, bevor es wieder in Betrieb geht. Direkt neben den Tanks grillen Frauen Fisch und Mais über offenem Feuer und frittieren Krapfen. Die Verantwortlichen erinnern daran, dass es schon einmal ein Leck gab. Sie warnen, dass eine Explosion im Lager Auswirkungen in einem Umkreis von mehr als 8 km haben könnte.

Das deckt sich mit den Angaben der CCAA selbst. In einer Erklärung von 2023 zum Flughafengelände Douala schrieb die Behörde, dass „ein besetztes Flughafengelände eine Bedrohung für die Luftsicherheit darstellt“. Außerdem hieß es, Anwohner nahe der Tankstelle und des Sicherheitszauns gingen Tätigkeiten nach, die Brände auslösen können.

Alte Piste 04/22 am Flughafen Douala, bewachsen, mit Gebäuden im Hintergrund
Die „alte Piste“: weiterhin von der Leichtluftfahrt genutzt, während Gebäude an ihren Sicherheitsstreifen heranrücken. Bild: Damian Maabo.

Räumung, Entschädigung oder Dialog?

Die Verwaltung setzt nach eigenen Angaben auf Überzeugung vor Zwang. Gemeinsam mit der Präfektur hat die Luftfahrtbehörde Versammlungen mit den chefs de bloc (Viertelvorstehern) abgehalten und ist von Tür zu Tür gegangen. Einige Anwohner, die zu nah am Sicherheitszaun wohnten, haben ihre Bauten selbst abgerissen, um einen Abstand von 7 Metern einzuhalten.

Beim Grundsatz ist der Präfekt eindeutig: „Der öffentliche Raum gehört uns allen. Warum sollte sich ein Einzelner nehmen, was uns allen gehört, und es sein Eigentum nennen?“ Wer öffentliches Land nutzen will, kann beim Ministerium für Staatsdomänen eine Genehmigung beantragen und eine Gebühr zahlen. In Flughafen- oder Hafenzonen zu wohnen, kann jedoch nicht genehmigt werden. Er erinnert daran, dass der Staat bereits ein ganzes Wohnviertel aus dem Hafengebiet räumen musste: „Ein Wohnviertel in einem Hafen, so etwas hat man nirgendwo auf der Welt gesehen.“

Am Flughafen Douala wurden bereits zwei Räumungsphasen durchgeführt. Eine dritte ist geplant, die nach dem Wunsch des Präfekten friedlich verlaufen soll. Die CCAA unter Generaldirektorin Paule Assoumou Koki hat zugesagt, die betroffenen Familien zu unterstützen. Im September 2023 zahlte die CCAA rund hundert Bewohnern des Viertels New-Town Aéroport eine Sozialhilfe, als letzten Schritt vor dieser dritten Phase.

Warum das 2026 wichtig ist

Das Thema steht diese Woche ganz oben auf der Agenda der Regierung. Am 23. September 2026 leitete Premierminister Joseph Dion Ngute einen Kabinettsrat zur Sicherung der Flughafengrundstücke. Er betrifft fünf Flughäfen: Yaoundé-Nsimalen, Douala, Garoua, Maroua-Salak und Koutaba. Presseberichten zufolge umfasst der Plan zwei Phasen:

  • eine Erfassung der irregulären Bewohner und die Klärung der Grenzen;
  • die physische Abgrenzung, Einzäunung, Bereinigung der Titel und Rückgewinnung besetzter Parzellen.

Laut denselben Berichten kommt er kurz vor einem ICAO-Audit zur Luftsicherheit, das für den 26. November bis 9. Dezember 2026 angesetzt ist.

Neu ist das Problem nicht. Schon 2018 berichtete Investir au Cameroun über dieselben 400 besetzten Hektar rund um den Flughafen Douala. Die Frage ist nun, ob das neue Programm die Lücke zwischen Gesetz und Wirklichkeit endlich schließt.

▶ Sehen Sie die vollständige Recherche mit den Häusern im Flughafenbereich, den Interviews mit dem ASUR-Kommandanten und dem Präfekten von Wouri sowie der Inspektion des Treibstofflagers: Flughafen Douala: Landnahme und die drohende ICAO-Liste (auf Englisch und Französisch). Abonnieren Sie den Kanal für neue Dokumentarfilme.

Weiterlesen: Kameruns Häfen: Wie Douala, Kribi, Limbé und Garoua den Außenhandel tragen.

Häufige Fragen

Wie viel Fläche des Flughafens Douala ist illegal besetzt?

Nach Angaben der im Film befragten Flughafenverantwortlichen sind rund 400 der 1.218 Hektar mit privaten Häusern, Betrieben und Parzellen belegt.

Wer ist für die Sicherheit am Flughafen Douala zuständig?

Die Cameroon Civil Aviation Authority (CCAA) ist die Luftfahrtbehörde, die in Kamerun für Flug- und Luftsicherheit verantwortlich ist. In Douala leitet Kommandant Clive Obi Ntui die Flughafensicherheit (ASUR).

Warum sind Häuser nahe einer Piste gefährlich?

Sie bringen Menschen und Hindernisse in die Sicherheitsbereiche der Piste, führen zu Pisteneindringungen, die Durchstartmanöver erzwingen, und schaffen unkontrollierte Orte, von denen aus ein Flugzeug bei Start oder Landung mit einer schultergestützten Rakete (MANPADS) angegriffen werden könnte.

Kann Kamerun von der ICAO auf eine schwarze Liste gesetzt werden?

ICAO-Audits bewerten das ganze Land. Schwere, ungelöste Mängel bei Flug- oder Luftsicherheit können dazu führen, dass ein Land gekennzeichnet wird, was seinem Ruf bei Airlines und Aufsichtsbehörden schadet. Ein ICAO-Audit zur Luftsicherheit in Kamerun ist für Ende 2026 angesetzt.

Was unternimmt die Regierung?

Ein Kabinettsrat am 23. September 2026 startete ein Programm zur Wiederherstellung und Sicherung der Grundstücke von fünf Flughäfen, darunter Douala: Erfassung der Bewohner, Abgrenzung, Einzäunung, Bereinigung der Titel und Rückgewinnung besetzter Parzellen, begleitet von Aufklärungskampagnen und sozialer Unterstützung für betroffene Familien.

Quellen: Interviews und Aufnahmen für den Dokumentarfilm mit der Flughafensicherheit (ASUR) des internationalen Flughafens Douala und der Präfektur Wouri; Cameroon Civil Aviation Authority; ICAO USAP-CMA; Presseberichte zum Kabinettsrat vom 23. September 2026 (237online, Camer.be). Die Zahlen aus dem Film entsprechen den Angaben der befragten Verantwortlichen. Übersetzung aus dem Englischen.

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